Lotuseffekt im Mauerwerk – hydrophobe Porenbeschichtung erklärt
Der sogenannte Lotuseffekt beschreibt eine Oberfläche, die Wasser nicht benetzt. Statt sich auszubreiten, bildet Wasser Tropfen und perlt ab. Dieses Prinzip lässt sich auch bauphysikalisch auf Mauerwerk übertragen.
Bei einer wirksamen Horizontalsperre werden die Porenwände nicht verstopft, sondern hydrophob beschichtet. Dadurch verändert sich die Oberflächenenergie – und der Kontaktwinkel steigt dauerhaft über 90°.
Was passiert in der Kapillare?
In unbehandeltem Mauerwerk liegt der Kontaktwinkel unter 90°. Wasser benetzt die Porenwand und steigt durch Kapillarwirkung nach oben.
Durch eine hydrophobe Polymerbeschichtung wird die Oberfläche der Porenwand wasserabweisend. Der Kontaktwinkel steigt über 90°, cos Θ wird negativ – der Kapillaraufstieg ist physikalisch nicht mehr möglich.
Das Wasser haftet nicht mehr an der Porenwand. Es kann nicht „hochgezogen“ werden.
Verstopfen oder Beschichten?
Ein häufiger Irrtum besteht darin zu glauben, eine Horizontalsperre müsse die Kapillaren verschließen. Technisch nachhaltige Systeme verändern jedoch die Grenzflächenenergie – nicht das Porenvolumen.
- Poren bleiben offen
- Diffusionsfähigkeit bleibt erhalten
- Kapillaraufstieg wird unterbrochen
- Kein Druckaufbau im Mauerwerk
Genau dieses Prinzip nutzen wasserfreie Polymer-Injektionssysteme.
Bauphysikalische Bewertung
Ein echter „Lotuseffekt im Mauerwerk“ liegt nur vor, wenn:
- der Kontaktwinkel dauerhaft über 90° liegt
- die Wirkung auch in Feinporen erreicht wird
- keine salzbildenden Nebenreaktionen entstehen
- keine zusätzliche Feuchtigkeit eingebracht wird
Nur dann wird die Kapillarwirkung physikalisch neutralisiert – nicht nur kurzfristig überdeckt.
Weiterführende Themen
- Kontaktwinkel über 90° – physikalische Wirkung
- Kapillarwirkung im Mauerwerk
- Horizontalsperre – Funktion und Ziel
Was ist aufsteigende Feuchtigkeit?
Aufsteigende Feuchtigkeit ist der kapillare Transport von Wasser im Mauerwerk, bei dem Feuchtigkeit durch Poren gegen die Schwerkraft nach oben steigt.

