Diffusionsoffenheit im Mauerwerk – warum sie entscheidend ist
Mauerwerk ist kein geschlossener Körper. Es ist ein kapillar- und diffusionsaktives System. Neben flüssigem Wasser spielt auch Wasserdampf eine zentrale Rolle im Feuchtehaushalt einer Wand.
Eine fachgerecht ausgeführte Horizontalsperre darf deshalb die Dampfdiffusion nicht blockieren. Sie muss den Kapillaraufstieg unterbrechen – ohne das Mauerwerk „abzudichten“.
Was bedeutet diffusionsoffen?
Diffusionsoffen bedeutet, dass Wasserdampf durch ein Material hindurchwandern kann. Dieser Prozess erfolgt über Druck- und Konzentrationsunterschiede – nicht über Kapillarwirkung.
Wird die Diffusionsfähigkeit unterbrochen, kann eingeschlossene Feuchtigkeit nicht mehr austrocknen. Es entstehen:
- Wärmeverluste durch erhöhte Feuchte
- Schimmelrisiko durch Taupunktverschiebung
- Langfristige Bauschäden
Kapillarsperre ≠ Dampfsperre
Ein häufiger Irrtum: Eine wirksame Horizontalsperre müsse „alles dicht machen“. Bauphysikalisch korrekt ist jedoch:
- Kapillaraufstieg stoppen → durch Erhöhung des Kontaktwinkels über 90°
- Dampfdiffusion erhalten → Poren bleiben offen
Hydrophobierende Systeme verändern die Grenzflächenenergie der Porenwand, ohne das Porenvolumen zu verschließen. Dadurch bleibt die Diffusionsfähigkeit erhalten.
Warum das energetisch relevant ist
Feuchte Wände haben eine deutlich höhere Wärmeleitfähigkeit. Verdunstende Feuchtigkeit entzieht dem Mauerwerk zusätzlich Energie.
Wird die Wand trockener, verbessert sich:
- der Wärmedämmwert
- das Raumklima
- die Taupunktlage
Eine wirksame Sanierung berücksichtigt daher immer sowohl Kapillarwirkung als auch Diffusionsverhalten.
Zusammenhang mit dem Lotuseffekt
Der Lotuseffekt im Mauerwerk sorgt dafür, dass Wasser nicht mehr an den Porenwänden haftet. Die Poren bleiben jedoch luft- und dampfdurchlässig.
Genau diese Kombination – Kapillarsperre bei gleichzeitiger Diffusionsoffenheit – ist bauphysikalisch entscheidend für eine nachhaltige Lösung.
Weiterführende Themen
- Wasserfreie Polymer-Injektion – Wirkprinzip
- Horizontalsperre – Funktion und Ziel
- Kapillarwirkung im Mauerwerk
Was ist aufsteigende Feuchtigkeit?
Aufsteigende Feuchtigkeit ist der kapillare Transport von Wasser im Mauerwerk, bei dem Feuchtigkeit durch Poren gegen die Schwerkraft nach oben steigt.

