Verkieselungssysteme – Wasserglas und bauphysikalische Bewertung

Verkieselungssysteme – Wasserglas und bauphysikalische Bewertung

Verkieselungssysteme basieren auf Silikatlösungen, häufig als sogenanntes „Wasserglas“ bezeichnet. Sie gehören zu den klassischen Verfahren zur nachträglichen Abdichtung von Mauerwerk.

Ihr Wirkprinzip unterscheidet sich grundlegend von hydrophobierenden Systemen. Statt die Porenoberfläche wasserabweisend zu machen, wird versucht, im Porenraum feste Strukturen zu bilden.


Funktionsprinzip

Wasserglas reagiert im Mauerwerk mit mineralischen Bestandteilen und bildet dabei gelartige oder feste Verbindungen. Diese sollen den Wassertransport im Porensystem reduzieren.

Im Gegensatz zu wasserfreien Polymer-Systemen erfolgt keine Veränderung der Oberflächenenergie, sondern eine strukturelle Veränderung im Porenraum.


Technische Probleme

  • Einbringen großer Wassermengen ins Mauerwerk
  • Verdünnung und unkontrollierte Reaktionen
  • begrenzte Dauerhaftigkeit
  • keine echte hydrophobe Wirkung

Die Wirkung hängt stark von den vorhandenen Bedingungen im Mauerwerk ab und ist oft nicht reproduzierbar.


Salzbildung als Risiko

Ein zentrales Problem bei Verkieselungssystemen ist die Bildung von Salzen. Durch chemische Reaktionen können beispielsweise Natrium- oder Kaliumcarbonate entstehen.

  • Salzausblühungen
  • Putzzerstörung
  • hygroskopische Feuchteaufnahme

Diese Effekte können langfristig zu zusätzlichen Bauschäden führen.


Bauphysikalische Bewertung

Entscheidend ist die Frage, ob die Kapillarwirkung tatsächlich unterbrochen wird.

Da keine dauerhafte Erhöhung des Kontaktwinkels erfolgt, bleibt der physikalische Mechanismus des Wasseraufstiegs grundsätzlich bestehen.

Die Grundlage dazu: Kapillarwirkung im Mauerwerk


Einordnung im Vergleich

Im Vergleich zu anderen Verfahren zeigt sich:

  • keine gezielte Steuerung der Oberflächenenergie
  • abhängig von chemischen Reaktionen
  • Risiko unerwünschter Nebenwirkungen

Gesamtüberblick: Injektionsverfahren im Vergleich


Fazit

Verkieselungssysteme basieren auf chemischen Reaktionen im Porenraum und nicht auf einer physikalischen Unterbrechung der Kapillarwirkung. Ihre Wirkung ist daher stark abhängig von den jeweiligen Bedingungen und kann mit Nebenwirkungen verbunden sein.