Injektionsverfahren im Vergleich – bauphysikalische Bewertung
Injektionsverfahren im Vergleich – bauphysikalische Bewertung
Bei der nachträglichen Abdichtung von Mauerwerk kommen unterschiedliche Injektionsverfahren zum Einsatz. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, welches Produkt verwendet wird – sondern welche bauphysikalische Wirkung erzielt wird.
Nur Verfahren, die den kapillaren Wassertransport dauerhaft unterbrechen, gelten als nachhaltige Lösung gegen aufsteigende Feuchtigkeit.
Grundprinzip: Kapillarwirkung stoppen
Aufsteigende Feuchtigkeit entsteht durch Kapillarwirkung im Mauerwerk. Wasser steigt so lange auf, wie es die Porenwände benetzen kann.
Die entscheidende physikalische Größe ist der Kontaktwinkel. Wird dieser dauerhaft über 90° angehoben, wird der Kapillaraufstieg unmöglich (cos Θ < 0).
Bewertungskriterien für Injektionsverfahren
- Wird der Kontaktwinkel dauerhaft über 90° erhöht?
- Wird zusätzliches Wasser in das Mauerwerk eingebracht?
- Wirkt das System auch in Feinporen?
- Entstehen salzbildende Nebenreaktionen?
- Bleibt das Mauerwerk diffusionsoffen?
Diese Kriterien entscheiden über die tatsächliche Dauerhaftigkeit einer Horizontalsperre.
1. Wasserfreie Polymer-Injektion
Prinzip: Hydrophobe Beschichtung der Porenwände ohne Wasseranteil.
- Kontaktwinkel dauerhaft > 90°
- keine Verdünnungseffekte
- wirksam in Feinporen
- diffusionsoffen
- keine salzbildenden Reaktionen
→ siehe Wasserfreie Polymer-Injektion – Wirkprinzip
2. Silikon-Mikroemulsionen
Prinzip: Wässrige Emulsion mit Silikonanteilen.
- bringen Wasser ins Mauerwerk ein
- Verdünnung im Porenwasser möglich
- begrenzte Wirkung in Feinporen
- ungleiche Verteilung möglich
→ siehe Silikon-Mikroemulsionen – technische Bewertung
3. Verkieselungssysteme (Wasserglas)
Prinzip: Chemische Reaktion mit Silikatlösungen.
- bilden feste Strukturen im Porenraum
- können salzbildende Nebenreaktionen erzeugen
- begrenzte Dauerhaftigkeit
- keine echte hydrophobe Wirkung
→ siehe Verkieselungssysteme im Detail
4. Mechanische Horizontalsperren
Prinzip: Physische Trennung des Mauerwerks (z. B. Mauersägeverfahren).
- unterbrechen Kapillaraufstieg konstruktiv
- baulich aufwendig
- Eingriff in die Statik möglich
→ siehe Mechanische Horizontalsperre
Fazit: Physik statt Marketing
Die Wirksamkeit eines Injektionsverfahrens hängt nicht vom Produktnamen ab, sondern von der physikalischen Wirkung im Porensystem.
Nur Verfahren, die den Kontaktwinkel dauerhaft über 90° anheben oder eine konstruktive Trennung schaffen, unterbrechen den kapillaren Wassertransport nachhaltig.
Weiterführende Themen
- Feuchter Keller – Ursachen erkennen
- Horizontalsperre – Funktion und Wirkprinzip
- Diffusionsoffenheit im Mauerwerk
Was ist aufsteigende Feuchtigkeit?
Aufsteigende Feuchtigkeit ist der kapillare Transport von Wasser im Mauerwerk, bei dem Feuchtigkeit durch Poren gegen die Schwerkraft nach oben steigt.
Feuchteproblem richtig einschätzen
Jedes Mauerwerk reagiert unterschiedlich. Die Ursache und die passende Lösung lassen sich oft nicht pauschal beurteilen.
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